[icon] B.B.'s Backup - Abbasowas! Männerperspektiven
View:Recent Entries.
View:Archive.
View:Friends.
View:User Info.
View:Website (Abbasowas!).

Subject:Abbasowas! Männerperspektiven
Time:04:02 pm

ABBASOWAS! B.B.'s SAMMELSURIUM

- - -

NATUR ODER KULTUR... GESCHLECHTERROLLEN... GLEICHBERECHTIGUNG... WIE LEBT ES SICH IM PATRIARCHAT?!




Männer im Patriarchat


Noch ein paar Müsterchen aus Hannelore's Seiten ("Aufgespiesst")...
http://hannelore.org/aufgespiesst/

------- --- -

Männerperspektiven



Wer nach alten Rollenmustern lebt, hat keine rosige Zukunft vor sich, sagen Männerforscher und verordnen Lernwilligen Hausaufgaben.
Auf der Suche nach dem Männlichen im Mann

„Der neue Mann ist da!“ vermeldete die Männerarbeit der evangelischen und katholischen Kirche, nachdem sie eine von ihr in Auftrag gegebene Umfrage ausgewertet hatte.

Aha – und wo, fragt frau gespannt?

Französische Modemacher entdecken ihn im Hosenträgerschlüpfer. Aber es gibt mehr zu berichten: Der neue Mann in Deutschland – als statistische Rechengröße jeder fünfte – „hilft mehr im Haushalt, kümmert sich um die Kinder“ (wann, wie oft und bei welcher Gelegenheit?) und „akzeptiert Frauen als Kolleginnen und Vorgesetzte“.

Nun denn. Walter Hollstein, Professor für Soziologie in Berlin, hat sich schon seit einigen Jahre mit Erhebungen über Männer und Frauen, über das, was sie von sich und voneinander halten, befasst. „Gut“, sagt er, „es hat sich einiges getan. Früher erwarteten Männer von Frauen in erster Linie Opferbereitschaft und Abhängigkeit, heute favorisieren sie Selbständigkeit, Intelligenz und erotische Qualitäten.
Die Vorstellungen haben sich verändert.

Aber der Alltag?“ Seine gesammelten Statistiken sprechen eine etwas andere Sprache als die Trendmeldungen dieser Tage.

Männer, sagt er, haben völlig andere Maßstäbe als Frauen, wenn es um ihre Beziehung zum anderen Geschlecht und zu Kindern geht. Männer halten es nach wie vor für wichtig (laut der jüngsten infas-Studie), sich als Ernährer der Familie definieren zu können und bieten dafür, auf den Punkt gebracht, folgende (Verzichts-)Leistung:

  • regelmäßig Zeit zu Hause zu verbringen,
  • keinen anderen Weibern hinterherzulaufen,
  • sich nicht zu oft zu betrinken und
  • ihre sexuellen Pflichten zu erfüllen.

Frauen dagegen nennen, wenn sie von Liebe, Ehe und Familie sprechen, Stichworte wie

  • Nähe,
  • Fürsorge,
  • Verantwortung,
  • Dialog,
  • Empathie und
  • gegenseitige Ergänzung

als Kriterien für eine gute Beziehung.

Könnte doch eigentlich alles ganz gut sein, könnte da manch arbeitsteilig denkender Mensch meinen: Der Mann zieht weiterhin wie zu Schillers Zeiten frühmorgens ins feindliche Leben hinaus, schafft an, was die Familie nährt und kleidet. Und drinnen in der Wohnung waltet die züchtige Frau ihres Amtes.

Warum also schickt sich nicht jede und jeder in ihre/seine Fähigkeiten, und das Glück ist allen hold?

Weil die Scheidungsziffern vom Unglück der beiden erzählen, die dieses Rollenspiel nicht mehr beherrschen oder sich nicht mehr von ihm beherrschen lassen wollen.

Vor allem Frauen. Sie waren erst mit ihren Männern, dann mit der Männergesellschaft insgesamt höchst unzufrieden. Und sie begannen darüber nachzudenken, warum das so ist. Und daran zu arbeiten, es zu verändern.

Diagnose, Analyse, Theorie, schließlich Therapie: Die Literatur über diese Arbeit der Frauen füllt nicht nur in Deutschland oder den westlichen Industriestaaten ganze Bibliotheken.

Und sie ist mit ihren „Gender-Studies“ längst dem Stadium der Selbsterfahrung entwachsen. Sie nimmt auf soziologischer, psychologischer, politischer, philosophischer und sogar religiöser Ebene die komplexe Verflechtung gesellschaftlicher und privater Daseinsbedingungen in den Blick.

Männer hingegen haben auf diesem Gebiet beachtlich wenig zu bieten.

Sie tun so, als ob ihre Männerherrlichkeit nicht ernstlich gefährdet sei. Und das, obwohl sie als Opfer ihrer eigenen Rolle acht Jahre früher sterben als Frauen, drei Viertel aller Selbsttötungen von Männern begangen werden und sie den Löwenanteil an den Notfallpatienten wie der chronisch Kranken haben.

Frauenerwerbstätigkeit ist zu einem festen Bestandteil nationaler und globaler Wirtschaftssysteme geworden und schafft so (auch wenn die Lohnhöhe noch unterschiedlich ist) prinzipielle Gleichstellung. Männerarbeitslosigkeit hingegen nimmt dem „pater familias“, dem Familienvater alten Stils, seinen Stolz als Ernährer der Familie und damit meistens auch – subjektiv – einen Teil seiner Identität.

Aber: Die Arbeit als primärer Ort männlicher Leistung und Konkurrenz verliert im Leben des einzelnen an Bedeutung. Die Forderung der Frauen nach einem hälftigen Zugang zu allen Berufsmöglichkeiten bedeutet eine dramatische Einbuße männlicher Macht.

Nach Hollstein veranschaulicht zudem die ökologische Krise den Bankrott männlichen Naturverständnisses und entzieht damit dem männlichen Leistungsgedanken eine seiner wichtigsten Legitimationen.

Daraus folgert er: Die Perspektive von Männlichkeit verschlechtert sich. Doch dessen ungeachtet gilt kurz vor der Jahrtausendwende für das männliche Individuum (im statistischen Durchschnitt) noch immer:

Je weniger ich schlafe, je mehr Schmerz ich ertrage, je mehr Alkohol ich trinke, je weniger ich auf meine Ernährung, meinen Körper achte, je weniger ich nach Hilfe frage, je weniger Gefühle ich zeige, desto männlicher bin ich!!

Schuld daran ist – individuell gesehen – die spezifische männliche Sozialisation, an der auch die Frauen und Mütter beteiligt sind, insofern sie ihre Jungs nicht zu Außenseitern erziehen wollen.
Sie beginnt schon mit der unterschiedlichen pränatalen Einstellung auf den zukünftigen Umgang mit einem Jungen und einem Mädchen.

Tests mit Vätern und ihren Neugeborenen zeigten deutlich, wie die Verteilung von Zärtlichkeit vom Geschlecht der Säuglinge bestimmt ist: Mädchen wurden übervorsichtig und zart aufgenommen, Jungs burschikos-kräftig angefasst.

Diese Unterschiede in der Behandlung setzten sich später in der Zuteilung von Spielzeug und Hausarbeit fort. So werden die Gefühle, die Kinder auch später als Erwachsene zur Verfügung haben, früh strukturiert.

Wo genau aber, zu welchem Zeitpunkt, an welcher Stelle seiner inneren Entwicklung wird der Junge zu dem Mann, unter dem er selbst zu leiden hat, wie die Männerforscher zu bedenken geben?

Psychoanalytische Theorien fangen da fälschlicherweise gerne bei der ersten Frau des Mannes an, seiner Mutter, mit der er sich als Kleinkind identifiziere.

Warum, frage ich dich, sollte sich ein männliches Wesen, wenn auch noch so klein, mit weiblichen Attributen identifizieren?

Mit allgemein menschlichen: Ja!
Aber die biologischen Gegebenheiten einer Frau wird ein Mann - wenn er bei gesundem Menschenverstand ist - nicht für sich beanspruchen.

Was immer auch die Ursache sein mag, Männer sind sparsam mit der eigenen Zuwendung, gehen auf emotionale Distanz zur Partnerin, lassen sich nie ganz auf die Liebe ein. Mit allen Folgen. Und die schlimmste davon, so wollen es einige der Psycho-Zunft wissen, sei der Frauenhass als fester Bestandteil der männlichen Psyche.

Was tun? Das weiß Hollstein auch nicht, sagt er. Nur soviel: Die Heilung des Mannes kann nicht über eine individualgeschichtlich rückwärtsgerichtete Strategie geschehen, über die Identifizierung mit dem Weiblichen.

Der Softie-Mann aus der Wohngemeinschaftsküche macht weder sich selbst noch die Frauen glücklich, soviel ist sicher. Hilft aber die aktive Suche nach dem Männlichen jenseits der unbrauchbar gewordenen Heldenmuster vergangener Zeiten?

Und was soll das sein, das Männliche?

„Das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit unseren Wünschen und Träumen“, sagt Hollstein, der eine Art Hausaufgabenkatalog für Lernwillige aufgestellt hat. Dieser verlangt die Orientierung und Abarbeitung am Vater(bild), die Aufnahme einer Beziehung zum großen Vater (einem Vorbild, einem Ideal) als geistigem Lehrmeister, die Auseinandersetzung mit den männlichen Schatten, der Aggressivität, den Abgründen und „die Herstellung einer Beziehung zum Tier in unserem Körper, zu unserer Sexualität, zum Animalischen“.

Ich sage dazu: Bullshit! Die Männer selbst haben keine Ahnung, worum es bei dem Begriff "Männlichkeit" überhaupt gehen könnte!! Sie tappen allesamt im Dunkeln.
Im Stockfinstern!

Wir Frauen warten gespannt.


comments: Leave a comment Previous Entry Add to Memories Tell a Friend Next Entry

[icon] B.B.'s Backup - Abbasowas! Männerperspektiven
View:Recent Entries.
View:Archive.
View:Friends.
View:User Info.
View:Website (Abbasowas!).