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Subject:Abbasowas! Die letzte Patientin Freuds
Time:11:05 am

ABBASOWAS! B.B.'s SAMMELSURIUM

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ADAM UND EVA - EVOLUTION... MATRIARCHAT/PATRIARCHAT... NATUR ODER KULTUR?




Die letzte Patientin Freud's


[25.01.2001]


BEI FREUD
Interview mit Margarethe Lutz, einer Patientin des berühmten Psychoanalytikers



Sie war eine der letzten Patientinnen von Sigmund Freud: Anlässlich seines 60. Todestages und 100 Jahren Traumdeutung erinnert sich Margarethe Lutz an den Mann, der ihr Leben veränderte. Und an eine für die 1. Republik typische Kindheit - geprägt von Gehorsam.

Die Couch war ein Sessel. Und hinlegen musste Margarete Lutz sich auch nicht. 1936 verschlug es das damals 18-jährige Mädchen aus gutem Haus - Eigendefintion: "Kindlich, unaufgeklärt und nach den Werten von 1880 erzogen" - in die Berggasse 19. "Verschlug" dürfte das richtige Wort sein. Denn heute fragt man sich, was die agile 80-Jährige mit glatten Wangen und einer positiven Lebenseinstellung, die sie regelrecht vor sich herträgt, beim Seelendoktor verloren hatte.
Das kam so: Gretl, das Einzelkind, dessen Mutter bei der Geburt gestorben war, hatte eine traurige Kindheit: "Ich bin außerordentlich einsam und sehr streng aufgezogen worden", erinnert sie sich. "Die Eltern - bald gab es eine Stiefmutter - hatten eine kleine Fabrik. Die Großmutter hat auf mich aufgepasst. Ansonsten war ich mir selbst überlassen - und meiner ausufernden Phantasie.
Geredet wurde damals nicht viel: "Nur das Notwendigste: "Aufstehen, es ist Zeit!", "Wieso kommst du so spät aus der Schule?" oder "Iss ordentlich, sei nicht so eine Zezn, warte nur, bis ein Krieg kommt, dann wirst du das gute Fett von dem Schnitzel nicht mehr wegschneiden!".
Wie gut, dass es den natürlich verbotenen und versperrten Bücherschrank gab ("Was soll's, der Schlüssel der großen Standuhr sperrte ohnedies!"). Gretl begann, Theater zu spielen; zu Hause und mit sich selbst, denn Tanzen oder Sport betreiben war für sie tabu, die Handelsakademie, durch die sie sich auf Wunsch der Eltern quälte, langweilte das künstlerisch begabte Mädchen und bei Kinobesuchen - nur in Begleitung des Vaters - musste sie bei jeder Kussszene hinausgehen.
Blieb also nur der Rückzug in eine Phantasiewelt: Eingewickelt in Großmutters lange Kleider aus dem vorigen Jahrhundert gab sie abwechselnd ristan und Isolde - am Fenster zur Wiener Wimbergergasse. Die Leute, die herauf gafften, störten Gretl überhaupt nicht: "Ich dachte mir, das passt gut - die sind das Volk." Das Volk aber meldete Gretls Vater, dass seine Tochter verrückt geworden sei. Eine andere Erklärung gab es anscheinend nicht. "Und gefragt wurde ich nicht.
Zuerst kam der Hausarzt, der außer Bronchialkatarrh nichts fand. Nur ein wenig einsam sei die Kleine, fand er. Und das sei eine Krankheit der Seele. Da Gretls Vater vermögend war, kam zur weiteren Behandlung nur Dr. Freud - "der Beste" - in Frage. Vater Lutz hatte - wie der Großteil der Österreicher - keine Ahnung, wer Sigmund Freud und seine Psychoanalyse waren.
Und natürlich begleitete er seine Tochter in die Berggasse. Bis heute ist Margarethe Lutz der freundliche alte Herr -"in einem grauen Anzug" -, der sie ausfragen wollte, in Erinnerung.
Freunde? Gerti öffnete den Mund, der Vater sprach: "Nein, das ist nicht notwendig. Sie ist ja bei uns." Tanzen? Vater: "Wozu? Erst geht sie in die Kochschule, und dann wird sie heiraten." Und sonntags? Gerti blickte auf den Vater, wozu den Mund öffnen? "Mit mir - beim Fischen."
Schließlich wurde es Freud zu blöd und er schickte den widerstrebenden Vater hinaus. "Und jetzt erzählen Sie mir, wie es wirklich ist", forderte er Margarethe auf. "Er war so gütig und so alt."
Und Gretl erzählte: "Ich spiele Theater, weil niemand mit mir redet und ich nicht fortgehen darf. Mir ist immer fad." Freud erkannte sofort, dass Margarete kein Fall für die Psychoanalyse, sondern für die Tanzschule und den Sportverein war. "Freud hat mich gefragt, ob ich erwachsen werden will."
"Dann", sagte er, "müssen sie einen Aufruhr gegen die Eltern anzetteln! Und Gretl gehorchte: Sie blieb bei der nächsten Kussszene im Kino sitzen.
"Etwa zwei Jahre nach meiner Heirat 1938 habe ich so richtig zu leben begonnen", sagt sie. Sie besuchte die Akademie der Bildenden Künste, wurde Bildhauerin, bekam zwei Töchter und hat erst viel später begriffen, bei wem sie da gewesen ist. "Er hat mich ein Leben lang begleitet. Und mich gelehrt, dass man nicht über sich verfügen lassen darf." Nachsatz: "Er hat mich frei gemacht, der Doktor Freud."


Autor: Susanne Mauthner-Weber

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http://genderline.de/fundus.htm - leider auch schon futsch...


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