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Subject:Abbasowas! Jägerinnen und Sammlerinnen
Time:03:00 am

ABBASOWAS! B.B.'s SAMMELSURIUM

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ADAM UND EVA - EVOLUTION




[Noch ein paar Müsterchen aus Hannelore's Seiten ("Aufgespiesst")...
http://hannelore.org/aufgespiesst/jaegerinnen.htm
inzwischen vielleicht irgendwo auf http://matriarchat.net bzw. http://www.matriarchat.info zu finden?!]


Jägerinnen und Sammlerinnen




Wie allmählich die Lügen der Männer aufgedeckt werden

Stark, mutig, zäh: Frauen sind anders, als mann ihnen seit Jahrhunderten weis macht. Forscherinnen beweisen, dass Frauen in prähistorischen Zeiten den Männern ebenbürtig, wenn nicht überlegen waren. Das schwache Geschlecht ist eine gezielte patriarchale Erfindung.

Bill Clintons Monicagate war ein Triumph für die Evolutionspsychologen. Die Wissenschaftler waren begeistert, dass ausgerechnet der Präsident ihre Erkenntnisse vom triebstarken Geschlecht so trefflich personifizierte.
Als «gewöhnlichen männlichen Geschmack in einer ungewöhnlichen Situation, ein Erbe der Evolution», taxierte der amerikanische Entwicklungspsychologe Steven Pinker den ausserehelichen Präsidentensex. Damit wurde wieder mal das Märchen vom prähistorischen Mannestrieb erzählt, seinen Samen breit zu streuen, um die Nachkommenschaft zu sichern.
Frauen dagegen hätten sich zum eigenen und der Kinder Schutz schon immer an einen einzigen Ernährer gehalten.

[Schon rein vom wirtschaftlichen Standpunkt aus, wäre das eigentlich eine ziemlich blöde Strategie - jedenfalls für die Frau! Die Abhängigkeit von einem einzigen Ernährer, der für alles sorgt (nehmen wir mal einen Augenblick an, sowas wie einen einzigen Ernährer, der für alles sorgte, hätte es überhaupt jemals gegeben), ist doch eine unsichere Angelegenheit - denn was passiert, wenn diesem einzigen Ernährer was zustossen würde, dass er eine Weile krank darniederliegt oder sich plötzlich aus dem Staub macht oder gar stirbt - dann müsste ja die ganze Familie (ver)hungern?! Also wirklich schön blöd, wenn eine Frau für sowas freiwillig die Nestwärme ihrer Matriarchalen Sippschaft verlassen würde!]

Leider ist die Geschichte vom polygamen Mammutjäger und der monogamen Frau, die auf ihn wartete, gleich doppelt falsch.

Erstens erhöht auch fleissige Polygamie die Aussicht des Mannes auf vermehrten Nachwuchs keineswegs:
Die Schwängerungsrate bei sexuellen Zufallsbegegnungen ist verschwindend klein.

Zweitens gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass in der Zeit der "Jäger und Sammler", die laut Pinker unser Gehirn bis heute prägt, die Frauen nicht nur mit den Kindern in den Höhlen kauerten, sondern munter mitjagten.

Vor allem Frauen sind es, die die historische Annahme vom schwachen Geschlecht als männliche Wunschvorstellung entlarven. Nicht zufällig trumpfen sie jetzt mit wissenschaftlichen Untersuchungen auf.
Denn nach neusten Erkenntnissen ist die Frau an der Schwelle zum zweiten Jahrtausend, verglichen mit ihrer Urahnin, in Sachen Emanzipation eine kümmerliche Anfängerin.
Was Biologinnen und Verhaltensforscherinnen über ihre Vorfahrinnen in Erfahrung brachten, steht in krassem Widerspruch zum traditionellen Geschlechterverständnis der Evolutionspsychologen.
Unglaubwürdigen Thesen über den Hang des Mannes zum Fremdgehen, wie sie Steven Pinker und seine Kollegen verbreiten, stehen diese Frauen mit äusserster Skepsis gegenüber.
Nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil ihnen der männliche Blickwinkel auf die prähistorische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau so eng scheint, dass sie sich darin kaum wieder erkennen.

"Selbstdarstellung und Geschlechtsverkehr, die beiden männlichen Zwangsvorstellungen, erhalten in der Forschung zu viel Bedeutung", sagt die Evolutionsbiologin Jeanne Altmann, die seit fast drei Jahrzehnten das Verhalten von Pavianen beobachtet. "Die Aufmerksamkeit der meisten Biologen lässt schlagartig nach, wenn die Paarung vollzogen ist."

Aber selbst beim Geschlechtsverkehr von Tieren wurde jahrzehntelang ignoriert, was aus männlicher Sicht nicht sein durfte!
Zu Beginn der Neunzigerjahre verstörte die amerikanische Primatenforscherin Barbara Smuts die männliche Fachwelt mit der Erkenntnis, dass bei Pavianen nicht etwa das Männchen, sondern das Weibchen den Sexpartner auswählt.
Den Kollegen, die auf dem gleichen Gebiet geforscht hatten, war die Damenwahl gänzlich entgangen.

Mitschuldig an den blinden Flecken in der männlichen Optik ist ohne Zweifel Charles Darwin. Seine Behauptung, weibliche Tiere hätten an Sex kein Interesse, prägte bis vor einem Vierteljahrhundert die Forschung. Erst seither begannen die Frauen, sich in grosser Zahl für Naturwissenschaften zu interessieren und die Evolution aus weiblicher Sicht zu betrachten. Die Folgen sind spektakulär.

«Denken Sie einen Moment über Pinkers ständig fremdgehenden Eiszeitmann nach», forderte die Pulitzer-preisträgerin Natalie Angier die LeserInnen der «New York Times» vor wenigen Wochen auf, «wie tauglich ist das chronische, wahllose Deponieren von Ejakulat als Reproduktionsstrategie?»
In einer festen Beziehung daure es vom Kinderwunsch bis zur Schwangerschaft in der Regel etwa hundert Tage.
Der polygame Mann hingegen braucht nach den Berechnungen der Wissenschaftsjournalistin an die hundert sexuelle Begegnungen, bis eine seiner One-Night-Stand-Partnerinnen schwanger ist.
Ein absurder Aufwand, spottet die Autorin, «zumal der Eiszeitmann keinerlei Kontrolle gehabt hat, mit wem die Frau am Tag davor und danach zusammen war.»

Aber Natalie Angier zerpflückt nicht nur die wissenschaftliche Polygamie-Erklärung für den untreuen Mann.
In ihrem bisher nur auf Englisch erschienenen Buch «Woman: An Intimate Geography» rüttelt sie kräftig an der von Evolutionspsychologen festgehämmerten These, Frauen seien an einer festen Beziehung stets interessierter gewesen als Männer, um ihre Versorgung sicherzustellen.
Der Grund für Angiers Zweifel: Die wissenschaftliche Schulmeinung, Männer seien stets beides, nämlich Erzeuger und Ernährer gewesen, wackelt bedenklich.
Hinweise auf eine möglicherweise ganz andere Realität erhielten die Forscherinnen in Afrika.

Beim Stamm der Hazda jagen zwar nur die Männer, aber die Beute kommt nicht in erster Linie der Familie zu, sondern der gesamten sozialen Gruppe, in der sie sich bewegen.
Dafür, dass Mutter und Kinder satt werden, sorgen die Frauen selber.
Ältere weibliche Blutsverwandte der Mutter sind für das Sammeln der Nahrung zuständig. «Wenn der Eiszeitmann, ähnlich wie bei den Hazda, nicht Haupternährer war», folgert Natalie Angier, «können wir viele unserer Vermutungen über den Ursprung der Ehe vergessen.»

Dass Nahrungsbeschaffung in der Eiszeit wohl tatsächlich zu einem grossen Teil Frauensache gewesen war, hatten die beiden Anthropologinnen Adrienne Zihlmann und Nancy Tanner bereits in den Siebzigerjahren für wahrscheinlich gehalten. Denn bei noch lebenden JägerInnengemeinschaften, deren Alltag dem unserer VorfahrInnen am nächsten kommt, bestehen drei Viertel der Nahrung nicht aus Fleisch, sondern aus Pflanzen und Wurzeln, die von Frauen gesammelt werden.
Fünfundzwanzig Jahre später bestätigte die in München forschende Paläobiologin Linda Owens, die sich auf die Mikroskop-Analyse historischer Steinwerkzeuge spezialisierte, dass viele in der Eiszeit gebräuchliche Werkzeuge Sicheln oder Mühlsteinen ähnelten. Ihre Hypothese: Frauen und Kinder sammelten und verarbeiteten Pflanzen und Wurzeln, während der Mann als Jäger höchstens sporadisch einen Happen Fleisch anschleppte.

Bisher hat sich kein Forscher die Mühe gemacht, die zentrale Ernährerinnenrolle der Eiszeitfrauen zu erforschen. Das wird sich ändern.

Die Archäologin Olga Soffer hat bereits die stolzeste Bastion vermeintlich männlicher Überlegenheit mit Lust zerstört: Den Mythos vom einsamen Mammutjäger mit dem tödlichen Speer. Vor wenigen Wochen veröffentlichte die weltweit anerkannte Eiszeitexpertin ihren Studienbericht aus dem tschechischen Dorf Dolní Vestonice.
Seit fast einem Jahrhundert ist der Ort, den unsere VorfahrInnen vor 25 000 Jahren als Winterlager nutzten, das europäische Zentrum der Eiszeitforschung.
In jahrzehntelanger Arbeit hatten patriarchale Wissenschaftler hier Tausende von Stein-, Ton- und Knochenrelikten zusammengetragen, darunter die berühmte schwarze Venus, eine nackte Frauenfigur.
Ihr Fazit: Die frühen Bewohner waren Vollzeitjäger gewesen, hatten Mammutknochen verfeuert und ihre sexuellen Fantasien mit geschnitzten Frauenfiguren angeheizt.
Olga Soffer stutzte. Weder in Afrika noch in Asien hatten Jäger vor dem fünften Jahrhundert vor Christus gewagt, Elefanten anzugreifen. Erst mit den Waffen der Eisenzeit fühlten sie sich ausreichend gegen die Stosszähne der Tiere gerüstet. Hier aber sollten 25 000 Jahre zuvor die weit grösseren Mammuts in Scharen mit steinernen Speerspitzen zur Strecke gebracht worden sein?
Nach eingehender Untersuchung der Mammutknochen-Grössen kam Olga Soffer zu dem überraschenden Schluss, dass in Dolní Vestonice wahrscheinlich nie ein Mammut durch Jägerhand gestorben ist. Die Tiere waren allesamt verdurstet oder an Salzmangel gestorben, weil sie es nicht bis zur Tränke geschafft hatten.
Alles, was die vermeintlichen Grosswildjäger getan hatten, war, das Fleisch der verendeten Tiere von den Knochen zu lösen. «Die wenigsten Archäologen sind Jäger», sagt Soffer zur Ahnungslosigkeit ihrer männlichen Kollegen, «deswegen haben sie nie darüber nachgedacht, wie Tiere mit riesigen Stosszähnen gejagd werden. Sie haben einfach alte Behauptungen übernommen.»

Die Demontage des Mannes war noch nicht zu Ende.

Auf den Tonscherben von Dolní Vestonice entdeckte Olga Soffer Linien, die wie Gewebefäden aussahen. Es handelte sich um Pflanzenfasern, die zu Netzen verknüpft worden waren. Die Netze wurden für Treibjagden verwendet, bei denen kleinere Tiere in eine Sackgasse oder an einen Abhang getrieben wurden. Dort wurde ihnen dann das Netz übergeworfen. Netzjagden aber waren kollektive Jagden. Frauen, Männer und auch Kinder konnten ungefährdet daran teilnehmen. Nicht einmal auf Hasenjagd ging der Mann allein. Aus der Traum vom männlichen Jagdinstinkt.

Für die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen nicht nur friedliche Mütter und Sammlerinnen, sondern auch eroberungslustige Jägerinnen waren, spricht nicht zuletzt ihr Körper. Bei keinem unserer nächsten Verwandten, den Primaten, ist der Unterschied zwischen männlich und weiblich in Grösse und Körperumfang so gering wie beim Menschen.
Männer sind im Schnitt nur zehn Prozent grösser, zwanzig Prozent schwerer und dreissig Prozent stärker als Frauen. Nicht genug, die Jagdgründe allein zu besetzen. Zumal Frauen mit Ausdauer wettmachen können, was ihnen an Muskelkraft fehlt.

«Je länger das Rennen, desto wahrscheinlicher ihr Sieg», schreibt das Nachrichtenmagazin «Time» und rechnet vor, dass Frauen, seit sie 1964 erstmals zum Marathon zugelassen wurden, ihre Laufzeiten um über dreissig Prozent verringert hatten. «Wenn der Trend anhält», prophezeit das US-Magazin, «werden die Läuferinnen die Männer im nächsten Jahrhundert in einer Staubwolke zurück lassen.»




Siehe auch auf anderen Seiten von Hannelore:

Frauen-Geschichte: Reise in eine versunkene Welt...



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